 |
"Weihnachtskrippen sind also Darstellungen mit der Geburt Christi verbundener Ereignisse, bei denen in wirklichem, dreidimensionalem Raum möglichst körperlich und lebendig wirkende Figuren so verteilt sind, dass im Betrachter das Gefühl entsteht, ihnen selbst beizuwohnen, damit in ihm die religiösen Gefühle in jener Stärke erregt werden, die dem erlebten Wunder angemessen ist."
Prof. Rudolf Berliner, Kunsthistoriker |
Bereits im 4. Jahrhundert finden sich in Italien bildliche Darstellungen der Geburt Christi.
Der genaue Ursprung der Krippe ist aber nicht sicher zu bestimmen, sondern das Produkt
einer langen Entwicklung.
Wie aber urkundlich belegt ist, sind schon in altchristlicher Zeit am Weihnachtstag in
den Kirchen religiose Schaustellungen zu sehen gewesen, welche ab dem 10. Jahrhundert
immer mehr volkstümlichen Charakter annahmen und sich allmählich über ganz Europa verbreiteten.
Die ältesten bekannten Weihnachtsspiele im bayerischen Raum sind das sog. "Freisinger Spiel"
aus dem 11. bis12. Jahrhundert und der "Ludus szenicus de native Domini"
aus Benediktbeuren vom 13. Jh. In diesen kirchlichen Weihnachtsspielen liegen wohl
die Anfänge der Krippengeschichte. Während wir uns bei unseren Krippendarstellungen
aber meist auf die Geburt Jesu beschränken, wurde damals das gesamte Leben und
Leiden Christi dargestellt; das Tod, das Grab, die Auferstehung und die Himmelfahrt
bis hin zu Pfingsten.
Gegen Ende des 13. Jh. versuchte man dann, diese Weihnachts-und Passionsspiele
das ganze Jahr über festzuhalten, in Gestalt einzelner Figuren.
Oftmals wird aber auch der Hl. Franziskus von Assisi als "Vater der Krippe" angesehen,
da er im Jahre 1223 an Weihnachten im Walde von Rieti die erste Weihnachtskrippe in
der uns bekannten Form baute. Mit Erlaubnis seines Papstes zog er damals aus dem
Kloster von Greccio aus, errichtete im Wald in einer Höhle eine Futterkrippe mit lebendigem
Ochs und Esel und hilt dann vor einer großen Menschenmenge seine berühmte Weihnachtspredigt,
"um den des Lesens nicht mächtigen die Weihnachtsgeschichte besser verständlich zu machen".
Als Vorläufer der Krippe werden aber auch die gotischen Schnitzaltäre mit Darstellungen
der Geburt Christi angeführt, jedoch konnten die einzelnen weihnachtlichen Szenen nicht
aus dem Altar entfernt werden. Ein solcher Altar mit einer Dreikönigsgruppe aus gefaßten
Holzfiguren steht z.B. in der Kirche von St. Wolfgang im Salzkammergut, Österreich
geschaffen von Michael Pacher 1480.
Erste sichere Nachrichten von Kirchenkrippen stammen aus Süddeutschland, wo zuerst die
Jesuiten den großen Wert der Krippe als Andachtsgegenstand und als Mittel zur religiösen
Unterweisung erkannten. Ihrer Förderung verdanken wir noch vor 1600 die Verbreitung der
Krippen in den Kirchen des gesamten katholischen Europas. Nach diesen Forschungsergebnissen
ist die Krippe im weitesten Sinn eine deutsche Schöpfung, welche von hier aus ihren Weg in
alle Welt gefunden hat. Die älteste heute noch vorhandene Kirchenkrippe Deutschlands ist die
Domkrippe in Augsburg aus dem Jahre 1590.
Ihre Blütezeit erlebte die Krippenkunst aber im 18. Jh. Sowohl in den Schloß- und
Kirchenkrippen als auch ind den Krippen des einfachen Volkes begann man, die Weihnachtsgeschichte
auszuweiten und sie mit unzähligen Stationen zu ergänzen.
Die berühmteste dieser Jahreskrippen ist die "Salonkrippe" im Brixener Museum
mit 4000 Figuren, geschaffen von Augustin Probst und dessen Halbbruder Joseph Probst
(1758-1807, 1773-1861). Berühmte Künstler waren in der Krippenbewegung tätig.
So hat z.B. Ignaz Günther im Jahre 1774 für das Kloster Ettal zwei Krippen gefertigt, die aber leider
verloren gingen. Ende des 18. Jh. kam die Zeit der Aufklärung.
Besonders erschreckend wirkte sich die damit verbundene Säkularisation in Bayern aus,
wodurch die Kirchenkrippen fast vollständig verschwanden.So manche Kirchenkrippe ist
dadurch gerettet worden, daß sie Aufnehme in Privathäusern fand. Besonders in der
bäuerlichen Bevölkerung wuchs das Interesse an der Krippe. Man schnitzte die Figuren selbst.
Bis in die Mitte des 19. Jh. bevorzugte man ausschließlich die heimische Gebirgslandschaft; ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. kam die orientalische Krippe zur Geltung.
Um die Jahrhundertwende hat dann plötzlich das Interesse an Krippenkunst stark nachgelassen.
Wären nicht überall Sammler gewesen, vieles wäre unwiederbringlich verlorengegangen.
Der Münchner Kommerzienrat Max Schmederer reiste überall umher und erwarb Krippen, die er der
Nachwelt in der größten Krippensammlung der Welt, im Münchner Nationalmuseum, hinterließ.
Als er 1917 verstarb war das Krippenverständnis wieder geweckt. Es wurden Krippenvereine gegründet.
Die große Münchner Krippenausstellung 1927 hat innerhalb von 2 Monaten 40.000 Menschan
angelockt und begeistert. Die Krippe hatte wieder neues Ansehen gewonnen! |